
Der Moment, in dem alles anders wird
70% aller Eltern leben in dauerhafter Überforderung. Aber hier ist das Interessante: Die meisten von ihnen sind nicht überfordert, weil sie ihre Kinder nicht lieben. Sie sind überfordert, weil sie sich selbst verloren haben.
Ich sehe das ständig in meiner Arbeit mit Familien. Eltern, die alles für ihre Kinder geben und dabei vergessen, wer sie selbst sind. Mütter, die nicht wissen, wann sie zuletzt etwas für sich selbst getan haben. Väter, die sich fragen, ob sie noch etwas anderes sind als „Papa“. Und Paare, die sich anschauen und denken: „Wer bist du eigentlich noch?“
Aber hier ist die wirklich unbequeme Wahrheit: Der Moment, in dem die Kinder da sind, ändert sich alles. Die Beziehung wird um ein Vielfaches tiefer und oberflächlicher zugleich. Und viele Paare merken erst viel später, dass sie nicht mehr miteinander leben. Sie funktionieren nur noch.
Und dann kommt dieser eine Moment – bei mir war es, als ich meinen Mann anschaute und dachte: „Ich liebe dich nicht mehr.“ Und dann wurde mir klar: Das war die Lüge. Ich liebte ihn noch. Ich liebte mich selbst nicht mehr, bzw. habe es verlernt.
Das Problem: Der Alltags-Funktions-Mechanismus
Lass mich dir eine typische Szene malen. Vielleicht erkennst du dich wieder:
Es ist 20:30 Uhr. Die Kinder sind endlich im Bett. Du sinkst auf die Couch. Dein Partner sitzt neben dir. Ihr schaut euch an und… nichts. Keine Energie für ein echtes Gespräch. Keine Kraft für Nähe. Nicht mal für einen Witz. Ihr seid einfach nur froh, dass alle schlafen.
Das ist der Alltags-Funktions-Mechanismus. Und er ist tückisch, weil er sich anfängt normal anzufühlen.
Die typische Tages-Abfolge:
Morgens: Dein Kind braucht etwas → du springst auf.
Mittags: Dein Partner fragt etwas → du antwortest automatisch.
Nachmittags: Dein Chef schreibt → du antwortest sofort.
Abends: Deine Mutter ruft an → du nimmst ab.
Nachts: Du fragst dich: Wann bin ich eigentlich dran?
Und die Antwort ist: Das fragst du dich, weil du längst nicht mehr weißt, wann DU dran sein solltest. Du hast dich selbst aus der Prioritätenliste gestrichen. Nicht bewusst. Einfach… so. Und manchmal passiert es sogar, dass du dir diese Frage gar nicht mehr stellst…
Der innere Dialog, den du nicht aussprichst:
„Ich bin eine gute Mama/ein guter Papa, wenn ich alles für meine Familie tue.“
„Meine Bedürfnisse sind nicht so wichtig wie die meiner Kinder.“
„Selbstfürsorge ist egoistisch.“
„Wenn ich meine Grenzen setze, verletze ich meine Familie.“
„Und überhaupt: Wer bin ich ohne diese Rollen?“
Diese Glaubenssätze sind so tief verankert, dass du sie nicht mal mehr hinterfragst und täglich trainierst, indem du nach ihnen lebst. Zunächst, weil du nach ihnen leben musst und später, weil du dich daran gewöhnt hast. Sie sind normal geworden. Und damit auch die Überforderung. Und damit auch die Entfremdung von dir selbst und von deinem Partner.
Die Folgen – und warum deine Beziehung leidet:
- Du reagierst nur noch, statt zu handeln.
- Du hast keine Energie mehr für echte Gespräche.
- Du schuldest dich ständig (bei den Kindern, beim Partner, bei dir selbst).
- Du weißt nicht mehr, wer du ohne deine Rollen bist.
- Deine Beziehung zu deinem Partner wird zur Funktions-Partnerschaft.
- Deine Kinder lernen, dass Selbstfürsorge nicht wichtig ist.
- Und das Schlimmste: Du merkst es nicht, bis es zu spät ist.
Das ist der Punkt, an dem viele Paare denken: „Wir haben uns auseinandergelebt.“ Aber das stimmt nicht ganz. Ihr habt euch nicht auseinandergelebt. Ihr habt euch selbst verloren und damit auch euch gegenseitig.

Die Wurzel: Warum das passiert
Um das zu verstehen, müssen wir tiefer graben. Es geht nicht nur um fehlende Zeit oder Energie. Es geht um etwas Grundlegenderes.
Gesellschaftliche Erwartungen und wie sie dich formen:
Besonders als Mutter erlebst du eine enorme gesellschaftliche Erwartung: „Eine gute Mutter opfert sich auf.“ Als Vater erlebst du oft: „Ein guter Vater kümmert sich um die Familie, nicht um sich selbst.“ Diese Erwartungen sind so alt und so tief verankert, dass du sie als „normal“ erlebst. Aber sie sind nicht natürlich – sie sind antrainiert. Und sie sind Gift für deine Beziehung. Denn wenn beide Partner glauben, dass Selbstfürsorge egoistisch ist, dann gibt es keinen Raum für echte Begegnung mehr. Es gibt nur noch Funktionieren.
Deine eigene Geschichte und wie sie dich prägt:
Wie bist du aufgewachsen? Wie sind deine Eltern mit ihren eigenen Bedürfnissen umgegangen? Hast du gelernt, dass Selbstfürsorge egoistisch ist? Oder dass Liebe bedeutet, sich aufzuopfern und immer zurückzustecken?
Diese frühen Prägungen wirken bis heute in deinem Elternverhalten nach. Und sie wirken auch in deiner Paarbeziehung nach. Du wiederholst unbewusst die Muster, die du gelernt hast, indem sie dir vorgelebt wurden.
Das Schuldgefühl und warum es so mächtig ist:
Eltern fühlen sich schuldig, wenn sie ihre eigenen Bedürfnisse wichtig nehmen. „Mein Kind braucht mich und ich denke an mich selbst? Das fühlt sich falsch an.“
Aber hier ist die Wahrheit: Dein Kind braucht nicht dein Opfer. Dein Kind braucht eine Mama oder einen Papa, die/der sich selbst kennt und liebt. Das ist das beste Modell, das du deinem Kind geben und vorleben kannst.
Und dein Partner? Dein Partner braucht nicht jemanden, der sich aufopfert. Dein Partner braucht dich. Den echten dich. Nicht die erschöpfte, funktionierend, leere Version von dir.
Die Lösung: Wie du wieder zu dir selbst findest
Okay, das war düster. Aber es gibt einen Weg raus. Und er beginnt mit einer Erkenntnis.
Der Mindset-Shift:
Statt: „Wenn ich meine Bedürfnisse wichtig nehme, vernachlässige ich meine Familie.“
Neu: „Wenn ich meine Bedürfnisse wichtig nehme, bin ich eine bessere Mama/ein besserer Papa – und ein besserer Partner.“
Das ist nicht egoistisch. Das ist notwendig. Und es ist das beste Modell für deine Kinder und deine Beziehung.
Wie ich meinen Weg zurück zu mir selbst gefunden habe:
Ich möchte dir meine Geschichte erzählen, weil sie vielleicht auch deine ist.
Der Moment kam, als ich meinen Mann anschaute und dachte: „Ich liebe dich nicht mehr.“ Das war ein Gedanke, der mich echt schockiert hat. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass etwas grundlegend falsch lief.
Aber dann – und das ist das Wichtige – habe ich nicht versucht, die Liebe zu meinem Mann zurückzubringen. Ich habe versucht, mich selbst zurückzubringen.
Und wie? Durch einen Umweg, den ich nicht erwartet hätte.
Jedes Mal, wenn ich meinen Mann anschaute, stellte ich mir vor, wie die Geburten unserer drei Kinder waren. Ich erinnerte mich an meine Gefühle in diesen Momenten. An die Kraft. An die Liebe zu meinem Mann. An die Frau, die ich war, bevor der Alltags-Funktions-Mechanismus mich aufgesogen hatte.
Und langsam – ganz langsam – bekam ich wieder Bezug zu mir selbst. Zu meinen Gefühlen. Zu meiner Kraft. Und dann – wie von selbst – bekam ich auch wieder Bezug zu meinem Mann zurück.
Das war kein großer Moment. Es war eine Reihe von kleinen Momenten. Kleine Erinnerungen. Kleine Rückkehrungen zu mir selbst. Denn die Liebe zu ihm war keinen Moment weg. Die Liebe zu unseren Kindern ist ja auch nicht weg, nur weil sie uns triggern und nerven. Die Liebe trägt uns durch solche Phasen des Lebens.
Strategie 1: Grenzen erkennen und setzen
Eine Grenze ist nicht etwas, das du setzt, um andere auszuschließen. Eine Grenze ist etwas, das du setzt, um dich selbst zu schützen. Es gibt diesen Satz, der wirklich nicht blöd ist: „Ein nein zu jemandem Anderen ist ein Ja zu dir selbst.“
Fragen, die dir helfen:
- Was brauche ich, um mich gut zu fühlen?
- Wann fühle ich mich überfordert?
- Was sind meine nicht-verhandelbaren Bedürfnisse?
- Wo sage ich „Ja“, obwohl ich „Nein“ meine?
Und dann – und das ist wichtig – setzt du diese Grenzen. Nicht aggressiv. Nicht vorwurfsvoll. Einfach klar.
Strategie 2: Kleine Rituale schaffen – für dich allein
Du brauchst nicht unbedingt 2 Stunden Yoga oder einen Wellness-Tag. Du brauchst kleine, regelmäßige Momente für dich. Momente, in denen du wieder zu dir selbst findest.
Beispiele:
- 10 Minuten morgens für dich allein (Kaffee, Stille, Gedanken)
- Ein Spaziergang ohne Kinder
- Eine Stunde pro Woche für ein Hobby
- Ein regelmäßiges Gespräch mit deinem Partner über eure Beziehung (nicht über die Kinder!)
- …
Das Wichtigste: Diese Momente sind nicht verhandelbar. Sie sind nicht „wenn noch Zeit ist“. Sie sind fest eingeplant. Wie ein Zahnarzttermin.
Strategie 3: Mit Schuld umgehen – und sie nicht zu deinem Kompass machen
Das Schuldgefühl wird nicht verschwinden, wenn du deine Grenzen setzt. Aber du kannst lernen, damit umzugehen. Du kannst lernen, es nicht zu deinem Kompass zu machen.
Fragen, die dir helfen:
- Wem schade ich wirklich, wenn ich meine Bedürfnisse wichtig nehme? (Spoiler: Niemandem.)
- Was würde ich meinem besten Freund raten, wenn er mir diese Geschichte erzählen würde?
- Welche Werte sind mir wirklich wichtig und welche sind antrainiert?
Dein Werkzeugkasten: 3 konkrete Tools für den Alltag
Jetzt wird es praktisch. Hier sind drei Tools, die du sofort umsetzen kannst.
Tool 1: Die Grenzen-Inventur
Nimm dir 15 Minuten Zeit und beantworte diese Fragen schriftlich:
- In welchen Bereichen meines Lebens fühle ich mich überfordert?
- Wo habe ich keine Grenzen gesetzt?
- Was würde sich ändern, wenn ich hier eine Grenze setzen würde?
- Was hindert mich, diese Grenze zu setzen?
Schreib alles auf. Keine Zensur. Das ist nur für dich. Und dann – das Wichtigste – teile diese Grenzen mit deinem Partner. Nicht als Vorwurf. Sondern als Information. „Das brauche ich, um mich gut zu fühlen.“
Vielleicht entsteht danach auch das Gespräch: Und was brauchst du? …
Tool 2: Das Erinnerungs-Ritual
Das ist mein persönliches Lieblings-Tool, weil es so einfach und stark ist.
Suche dir einen Moment, in dem du deinen Partner anschaust. Vielleicht morgens beim Kaffee. Vielleicht abends auf der Couch. Und dann erinnere dich: Wer war ich, bevor das Funktionieren begann? Was habe ich gefühlt? Was habe ich geliebt?
Du musst nicht deine Geburten-Momente nehmen, wie ich das getan habe. Du nimmst die Momente, die für dich ganz besonders waren. Die Momente, in denen du diese tiefe Liebe und Verbundenheit gesprüt hast: Ein Urlaub, bevor die Kinder da waren. Ein Moment, in dem du dich selbst gefühlt hast. Ein Moment, in dem du dich lebendig gefühlt hast.
Erinnere dich regelmäßig an diese Momente. Und beobachte, wie dein Bezug zu dir selbst – und zu deinem Partner – sich verändert.
Tool 3: Die Selbstfürsorge-Liste
Erstelle eine Liste mit 10 Dingen, die dir gut tun. Nicht große Dinge – kleine, alltägliche Dinge:
- Eine Tasse Tee in Ruhe trinken
- 10 Minuten lesen
- Eine Runde spazieren gehen
- Ein Bad nehmen
- Mit einem Freund telefonieren
- Musik hören
- Malen
- Schreiben
- Duschen ohne Unterbrechung (ja, das ist ein Luxus!)
- Einfach nur sitzen und nichts tun
- …
Wähle jede Woche 2-3 Dinge aus und mache sie. Ohne Schuldgefühl. Ohne „wenn noch Zeit ist“. Einfach machen.
Warum das Eltern-Camp für euch wirksam sein könnte
Im Eltern-Camp arbeiten wir genau an diesem Punkt.
Wir zeigen dir nicht nur, warum du dich verloren hast. Wir begleiten euch auf dem Weg, wieder zu euch zu finden, um sie mit ganzer Kraft zu tragen. Und um wieder echte Verbindung mit dir selbst und deinem Partner zu haben.
Das ist nicht egoistisch. Das ist notwendig, um euch nicht zu verlieren. Das erwartet euch:
- Lernt euch auf einer tieferen Ebene kennen und tauscht euch über eure Bedürfnisse aus
- Setzt euch individuelle Ziele und bringt eure persönlichen Themen auf den Punkt
- Entdeckt neue Wege der Kommunikation
- Lernt Schritt für Schritt die von uns entwickelte und sehr effektive TC-GOAL Methode kennen und wendet sie direkt an (inkl. Workbook)
- Erstellt eure persönliche Werte-Pyramide und lernt die Bedürfnispyramide kennen, um Entscheidungen zu treffen und Verständnis füreinander zu entwickeln (inkl. Workbook)
- Entdeckt Eure Sprache der Liebe und stärkt das Fundament eurer Familie (inkl. Workbook)
- Beleuchtet eure individuellen Themen und findet gemeinsam Lösungen
- Profitiert von individuellem Coaching im „Kornlager“ im Gebäude des Heimathofs (insgesamt ca. 10 Stunden mit Madeleine und/oder Klaus)
Wenn das für euch interessant klingt, bucht euch ein kostenloses Erstgespräch. Lass uns schauen, wie wir euch helfen können, wieder zu dir selbst und damit euch zu finden und damit auch wieder zu deiner Familie.
Dein nächster Schritt
Du hast erkannt, dass du dich selbst verloren hast. Das ist der erste und wichtigste Schritt.
Der zweite Schritt ist: etwas zu ändern.
Das musst du nicht allein tun. Wir sind hier, um dich zu begleiten.
Buche dir dein kostenloses Erstgespräch und lass uns schauen, wie wir dir helfen können, wieder zu dir selbst zu finden und deine Familie mit voller Kraft zu führen.
Bis bald!
Deine Madeleine



